Von der Sierra Gorda in Querétaro aus ging meine Reise am 06.02. weiter in den Bundesstaat San Luis Potusi. Mein Reiseplan war dieses mal etwas enger getaktet als sonst. Karen hatte mich nämlich zu ihrem 27. Geburtstag in Morelia am 10.02. eingeladen noch während ich in Santiago de Queretaro war. Ich hatte die Wahl noch etwas Zeit in Querétaro zu verbringen oder die Zeit bis dahin zu nutzen, um einen weiteren Ort zu besuchen. Zu diesem Zeitpunkt stand auch schon fest, dass ich nach Pinal de Amoles fahren würde, da ich unbedingt die Sierra Gorda sehen wollte. Der nächste Bundestaat in der Nähe von Pinal de Amoles war nun halt San Luis Potusi und ich entschied mich eine Runde durch diesen Staat zu drehen. Allerdings hatte ich für die gesamte Runde nur 4 Tage Zeit und ich wollte in dieser Zeit insgesamt 3 Städte sehen: Xilitla, Ciudad Valles und die Hauptstadt San Luis Potusi. Ihr merkt schon: Ziemlich straffer Zeitplan! Aber Spoiler an dieser Stelle: Es hat alles sehr gut geklappt und ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte und habe trotz der kurzen Aufenthaltsdauer auch ein paar coole Leute kennenlernen können. Als erstes besuchte ich die Stadt Xilitla.
Das Städtchen Xililta
Xilitla ist ein circa 8000 Einwohner kleines Städtchen im südlichsten Ende von San Luis Potusi. Die Kleinstadt liegt mitten in den Wäldern der Sierra Madre Oriental auf einer Höhe von 640 Metern. Auf Grund seines kolonialzeitlichen Stadtzentrums und des surrealistischen Garten von Edward James, auf den ich später noch genauer eingehen werde, erhielt Xilitla den Titel Pueblo Magico.




Meine Anreise und Unterkunft
Von Pinal de Amoles kommend nahm ich einen Bus um nach Xilitla zu gelangen. Der Bus von Pinal de Amoles fährt an der Hauptverkehrsstraße ab, dort gibt es auch nur ein Büro für Busfahrten. Genau dort hält der Bus der Linie Flecha Amarilla kommend aus Querétaro. Die etwa 120 km lange Strecke, die teilweise noch durch die Berglandschaft der Sierra Gorda führt, dauert mit dem Bus etwa 3.5 Stunden. Es gibt auch keine wirkliche Alternative, außer vielleicht eine private Mitfahrgelegenheit.
Die Busfahrt war sehr entspannt ich konnte noch ein letztes Mal auf die Sierra Gorda blicken.

Um 14:30 Uhr kam ich in Xilitla an. Xilitla ist zwar etwas größer als Pinal de Amoles, hat aber trotzdem kein eigenen Busbahnhof, sondern nur eine kleine Haltestelle mitten in der Stadt. Von dieser Haltstelle aus fahren alle Busse in die nahegelegenen Städte ab. Die Haltestelle liegt auch nur ein paar Gehminuten vom Zentrum entfernt, sodass ich auch kein Taxi oder ähnliches brauchte, um zu meiner Unterkunft zu gelangen.
Ich machte mich also direkt auf den Weg zu meiner Unterkunft, um meinen Rucksack abzuladen und anschließend die Stadt kennenzulernen. Über google fand ich das kleine aber feine Hotel Jardín Huasteca, welches 5 Minuten Fußweg vom Stadtzentrum entfernt lag. Für eine Nacht sollte dies meine Unterkunft sein. Die Atmosphäre hier war sehr familiär und die Familie, die dieses Hotel betreibt war sehr lieb und zuvorkommend bei allen Anliegen. Die Nacht in diesem Hotel kostet 400 Pesos (etwa 21 Euro), wenn man direkt anruft. Über Booking.com ist es etwas teurer. Hostels gibt es hier keine, daich mittlerweile in einem Gebiet von Mexiko ankam, das einfach nicht mehr so touristisch ist. Hier ein paar Fotos der Unterkunft:




Rundgang durch die Stadt
Nachdem ich mich in meinem Zimmer kurz häuslich einrichtete, wollte ich den Rest des Tages damit verbringen die Stadt kennenzulernen und etwas herumzuspazieren. Zuerst ging ich zum Zentrum und machte hier ein paar Aufnahmen:




Danach ging ich etwas durch die Straßen und schaute mir die Stadt an. Xilitla ist wirklich klein und es gibt eigentlich kaum etwas Interessantes zu sehen. Es gibt ein paar nette Restaurants und Geschäfte, aber sonst war es hier relativ ruhig. Mir persönlich hat die Stadt nicht so gefallen. Sie ist bei weitem nicht so einladend und schön wie die bisherigen Pueblos Magicos die ich besuchte. Ich hatte auch das Gefühl, dass man hier als Tourist nicht so wirklich willkommen ist. Bei meinem wenigen Gesprächen mit den Einheimischen hatte ich das Gefühl, dass keine so wirklich Interesse an einem Austausch hatte. Aber vielleicht habe ich auch einfach nur Pech gehabt an diesem Tag. Nach einem kurzen Restaurantbesuch begab ich mich auch direkt wieder zurück zum Hotel, schrieb etwas an meinem Blog-Artikel und ging schlafen.





Der Garten von Edward James
Am nächsten Morgen wollte ich mir nämlich den surrealistischen Garten Las Pozas von Edward James anschauen, die Hauptattraktion hier in der Gegend. Diese Anlage besteht aus vielen surrealistischen Gebäuden aus Beton, die mitten in den Regenwald gebaut wurden aber dazu gleich mehr. Ich hörte das erste mal von einer Bekannten aus Morelia von dieser Anlage und sie meinte es lohnt sich auf jeden Fall hierherzukommen. Und dieser Empfehlung bin ich gefolgt.
Während meiner knapp 2-stündigen Führung, die um 9:00 Uhr morgens begann erklärte uns unser sehr unterhaltsamer Guide die Entstehungsgeschichte dieser Anlage. Tickets für den Eintritt bekommt man übrigens nur Online (hier) und man sollte sie ein paar Tage im Voraus buchen, da die Führungen ein Teilnehmerlimit haben und die gewünschte Zeit vielleicht kurz vor der Führung schon ausgebucht sein könnte (es waren glaube ich 20 Personen pro Führung). Ich wollte möglichst früh hier sein, da ich am selben Tag schon wieder mit dem Bus abreisen wollte. Die Kosten für ein Ticket belaufen sich auf knapp 100 Pesos. Die Anlage Las Pozas liegt knapp 5 km von der Stadt entfernt und die einzigen Möglichkeiten dort hinzukommen sind ein halbstündiger Spaziergang oder eine 10-minütige 100 Peso Taxi-Fahrt. Die Taxis fahren übrigens ganz in der Nähe der Bushaltestelle ab. Ich habe das hier mal auf der Karte markiert:

Ich entschied mich fürs Taxi, da ich am morgen nicht so viel Zeit mit herumlaufen vertrödeln wollte und kam dann pünktlich 8:50 Uhr am Eingangsbereich von Las Pozas an.


Aber warum gibt es hier solche Konstruktionen in mitten des Waldes konstruiert von einem Mann mit dem Namen Edward James? Genau das habe ich mich auch gefragt und ich werde euch so gut es geht die Schilderungen meines Guides zusammenfassen.
Edward James, geboren am 16.08.1907, war ein Kunstsammler aus einer wohlhabenden schottischen Familie. Nach seiner Ausbildung im renommierten Le-Rosey-Internat in der Schweiz widmete sich James der Förderung des Surrealismus. Im Jahr 1930 freundete er sich mit dem spanischen Künstler Salvador Dalí an, mit dem er kriegsbedingt im Jahr 1940 in die USA flüchtete. Hier kam in ihm das erste mal die Idee auf einen “Garten Eden” zu erschaffen und fand schließlich im abgeschiedenen Xilitla in der Sierra Madre, auf Empfehlung eines Bekannten aus Mexiko, den perfekten Standort für seinen Garten. Er begann Orchideen zu züchten und legte unter anderem auch einen Schmetterlingsgarten an. Die Anlage wurde allerdings im Jahr 1962 durch eine lang anhaltende Frostperiode zerstört und er fing an seine Fantasiewelt in Beton festzuhalten. Dies war sozusagen der Startschuss für die Entstehung dieses riesigen Skulpturengartens.


Über 20 Jahr lang baute Edward James hier an diesem surrealistischen Garten, wobei viele seiner Gebäude unvollständig blieben bzw. ins nirgendwo verliefen und häufig keine Dächer besaßen. Insgesamt sind es 36 Konstruktionen. Es gibt Wendeltreppen ins Nichts, große Betonblumen, kleine Brücken, die über die vielen kleinen Teiche und Bäche führen und viele andere willkürlich anmutende Betonbauten. In der Tat nutze James lediglich ein Gebäude selbst, um dort einige Zeit zu wohnen. Die restlichen Gebäude waren größtenteils zweckfrei.



Bis zum Jahr 1984, das Jahr seines Todes, wurde stetig an seinem Garten gearbeitet. Wobei er dies nicht selbst tat, sondern Hilfe der ansässigen Otomí erhielt. Lediglich die farbliche Ausgestaltung seines “Schlosses” wurde anfangs durch James noch selbst vorgenommen.



Nach seinem Tod wurde jeglicher Bau an dieser Anlage eingestellt und die Anlage beginn mit der Zeit zu verfallen. Der Garten wird zwar von der Stiftung Fondo Xilitla gepflegt, allerdings sind ihnen nach Aussage unseres Guides auf Grund des Denkmalschutz nur minimale Arbeiten an den zerfallenden Betonstrukturen erlaubt.



Wie in einem Themenpark besitzen die einzelnen Bauten einzigartige, teilweise sehr eigenartige Namen wie beispielsweise: The House with Three Storeys that Might be Five (Das Haus mit den drei Stockwerken, die eigentlich fünf sein könnten), The House with a Roof like a Whale (Das Haus mit einem Dach ähnlich eines Wales), The Temple of the Ducks (Der Tempel der Enten) oder The House Destined to be a Cinema (Das Haus, das als Kino gedacht ist).



Insgesamt investierte James knapp 5 Millionen US-Dollar in die Errichtung seines Traumgartens und finanzierte die Bauten hauptsächlich mit dem Verkauf von Kunststücken aus seiner Sammlung surrealistischer Kunst. Für den Bau seines Schlosses, wie er es nannte, benötigte innerhalb von 35 Jahren die Hilfe von über 100 lokalen Handwerkern.



Mein Fazit
Ich fand die Besichtigung des Gartens von Edward James auf jeden Fall ziemlich interessant und vor allem sehr einzigartig. Die Sachen die Edward James hier errichtet hat sind wirklich imposant und ich habe so etwas in der Art noch nie vorher gesehen. Durch die Guides erhält man auch sehr viele Informationen zum Hintergrund des Gartens bzw. über Edward James. Er zeigte uns diverse Fotos von James selbst und hat viele kleine Anekdoten aus seinem Leben erzählt. Er hat uns alles in einer sehr interessanten Art und Weise erzählt, sodass ich das Gefühl hatte hier wirklich etwas mitgenommen zu haben.
Als die Führung zu Ende war fuhr ich schnell mit dem Taxi zurück zum Hotel, schnappte mir meinen Rucksack und machte mich auf zur Bushaltestelle in Xilitla. Von hier aus nahm ich meinen nächsten Bus nach Ciudad Valles. Ciudad Valles war meine 2. Station meiner Rundreise in San Luis Potosi. Von Ciudad Valles aus hat man nämlich einen sehr guten Zugang in die Huasteca Potosina, ein Gebiet mit vielen schönen Wasserfällen, Seen und Wanderwegen.

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